1. Eintrag – Im Café

Im Café

mitten in der Innenstadt gibt es ein beabsichtigt unaufdringliches, aber eindeutiges Motto und das lautet „Hygge“. Gemütlichkeit. Der Filterkaffee riecht nach Holz, Oliven oder Tabak, der Americano lässt sich sehr gut trinken und das vegane Bananenbrot schmeckt wie eine Erinnerung an Kindergeburtstage im Sommer. Jene Feiern bei den reichen Kindern mit den großen Gärten, in denen der Rasen gleichmäßig kurzgeschnitten und grün ist. Es gibt sogar ein Trampolin und das bereits seit einer Zeit, in der das noch exotisch war. Trampoline standen höchstens mit einem Meter Durchmesser im Wohnzimmer vor dem Fernseher und wurden später im Schuppen verstaut, wo sie dann nach weiterer Einlagerungszeit auf dem Sperrmüll landeten. Im Garten gibt es auch ein Baumhaus, denn der Papa baut gerne mal was zusammen. Dafür trifft er sich mit seinem Vater oder auch „der Opa!“ hin und wieder für kleinere Bau- und Bastelprojekte rund um das Haus. Ein guter Ausgleich zum sonst eher einsamen Leben als Uni-Dozent.

Hygge, Hygge! In unserer Erinnerung jedenfalls, beim Kindergeburtstag, gibt es Bananenkuchen und Orangensaft, Apfelkuchen auch, den hat die Oma gebacken, mit ordentlich Puderzucker und Liebe zur Familie. Gefeiert wird draußen, es gibt Spiele am und im Pool. Ein Pool! Alle tragen Badehose oder -anzug, nur ein Kind fühlt sich unwohl.

Britta, die keine rhythmische Sportgymnastik macht, aber samstags um halb sieben Inspector Gadget guckt. Sie wünscht sich einen Hubschrauberhut, um nach Hause zu fliegen. Zu ihrem Game Boy, den Looney Tunes, ihrem ausgestopften Eichhörnchen und den Süßigkeiten.

Bananenbrot, was soll das sein? Weder Brot noch Kuchen. Banane nur in Spuren enthalten. Hygge, Hygge. Die Möbel sind aus braun-grauem Holz, leicht angeraucht, dick und grob, wie bei reichen Kindern. Große, weiche Kissen, samtig und farblich abgestimmt, liegen wie Polster auf zusammengeschraubten und aufgebockten Europaletten. Die hat ein junger Vater gezimmert, der neben dem Leben zu Hause mit seiner Freundin und den Kindern (3 1/2 und 1) mehr Leben brauchte. Also sorgt er hier für Hygge. Zu Hause klappt das nicht so leicht, niemand dort braucht Möbel oder Americano oder Bananenbrot, sie brauchen nur seine Hilfe.

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